Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser. Zumindest bei der Wirecard AG (WKN: 747206) hätte ein klein wenig mehr Kontrolle wohl nicht geschadet. Welche Learnings ich aus dem Wirecard-Desaster mitnehme und warum das Unternehmen und ich am Ende trotzdem irgendwie quitt sind, erfährst du im folgenden Artikel.

Wirecard: Finanzskandal des Jahrzehnts?

Ja, ja, Wirecard. Was soll man hier noch schreiben, was nicht längst schon geschrieben wurde? Der Finanzskandal des Jahres! Wenn nicht des Jahrzehnts!!! Und zwar nicht in China, sondern hier – in Deutschland! Am Ende in meinen Augen aber vor allem auch ein komplettes Versagen unserer Finanzaufsichtsbehörde Bafin, die nicht nur die schützende Hand über Wirecard gelegt, sondern vor allem über Jahre die Augen verschlossen hatte.

Aber es ist immer einfach, die Schuld anderswo zu suchen. Nur das bringt gar nichts – weil man daraus nicht einmal etwas lernt. Aber was kann man aus Wirecard lernen? Was kann man lernen, wenn ein Unternehmen bewusst und mit krimineller Energie Finanzbetrug leistet? In meinen Augen gar nicht so viel. Vielleicht aber zumindest, dass blindes Vertrauen gerade an der Börse einen teuer zu stehen kommen kann.

Nicht nur für Wirecard gilt: Hohe Rendite = hohes Risiko

Auch ich habe Wirecard vertraut. Und ja, es hat mir auch gefallen, wie ein vergleichsweise junges Unternehmen der alteingesessenen Finanzelite in den Frankfurter Elfenbeintürmen Druck gemacht hat. Und die Zahlen, die Wirecard alle 3 Monate präsentiert hat, waren auch einfach überzeugend.

Waren sie zu gut, um wahr zu sein? In meinen Augen nicht. Wirecard war als Zahlungsabwickler in einem Wachstumsmarkt aktiv – und überproportionales Wachstum ist hier nicht nur möglich, sondern letzten Endes eine Eigenschaft an Unternehmen, die ich persönlich sehr schätze. Und klar ist außerdem: Die Aussicht auf hohe Rendite geht immer mit einem hohen Risiko einher – und das gilt nicht nur für Wirecard. Und trotz Wirecard bin ich auch heute noch bereit, dieses Risiko mit Teilen meiner Investments zu tragen.

Wo Rauch ist, ist auch Feuer

Der Fehler war aber: Ich habe Wirecard blind vertraut – und Bedenken ignoriert. Und davon gab es genug: Bereits im Januar 2019, also rund 18 Monate vor dem Fall von Wirecard, veröffentlichte die Financial Times ihren ersten Artikel über Ungereimtheiten bei Wirecard. Das hätte mir zu denken geben müssen. Hat es aber nicht. Sogar als im Frühling 2020 die Bilanzveröffentlichung mehrmals verschoben wurde, habe ich nicht die Notbremse gezogen. Wo Rauch ist, ist auch Feuer, so lautet das Sprichwort – Wirecard stand zu diesem Zeitpunkt längst in Flammen und ich hatte 50 Anteile in der brennenden Hütte liegen. Am Ende sind sie nahezu komplett verbrannt, verkauft mit 97% Verlust. Mehrere tausend Euro Lehrgeld. Das ist natürlich viel zu viel – und auch wenn Wirecard in meinem Portfolio einen Anteil von unter 5% ausmachte, hat sich dies natürlich auch auf die Gesamtperformance meines Portfolios ausgewirkt. 

Was was mich aber zumindest ein klein wenig tröstet: Ich habe im Jahr zuvor immer wieder kleinere Gewinne mit Wirecard gemacht. Am Ende sind Wirecard und ich somit fast quitt — und die Learnings waren dann doch noch günstiger als manches Online-Seminar.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Wirecard gemacht? Wart ihr investiert? Und habt ihr rechtzeitig den Absprung geschafft oder wart ihr ähnlich blauäugig wie ich? 

Bin gespannt auf eure Kommentare! 

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Sven

    Tröste dich. Mit Wirecard sind sehr viele auf die Nase gefallen. Und Learnings sind in der Tat unbezahlbar. Grüße Sven